Ruhpolding - Zum Dritten

Unser Traditionshotel, der Ortnerhof, empfängt uns mit seiner altvertrauten Atmosphäre. Aber auch hier ändern sich die Zeiten.  Überraschung zum Abendessen: Entweder sind wir größer, oder die Portionen  kleiner geworden. Egal, Hauptsache Schnee.
Am nächsten Morgen geht es früh auf die Bretter. Skikurs in Skating und Klassisch auf der Loipe am Mittersee. Der Rudi aus Ruhpolding erklärt uns mit seinem rollenden „R“ das Vierermodul und das Fünfganggetriebe beim Skilanglauf. Wo da der Rückwärtsgang sein soll, bleibt sein Geheimnis. Egal, Hauptsache wir haben Schnee unterm Ski.
Direkt von der Loipe hopsen wir in die Chiemgau Arena, einen der großen internationalen Biathlon-Stützpunkte. Runter geht's auf die Matte: Liegendschießen mit dem Kleinkalibergewehr auf die 50m entfernten klitzekleinen schwarzen Scheiben. Unsere Frauen schießen natürlich am besten. Für Gleitsichtbrillenträger hingegen das Fiasko schlechthin. Fokussieren kaum möglich. Ich ballere auf die Scheiben der Bahn neben mir, von denen ich seltsamerweise sogar ein paar treffe. Crossfire nennt der Fachmann das, soll bei den besten Biathleten vorkommen. Ein schwacher Trost, zumal ich die Schüsse auf meine eigenen Scheiben komplett versemmele. Egal, Hauptsache Schnee.
Abends an der Bar im Ortnerhof dagegen treffsicher beim Versenken einiger schottischer Single Malt Whiskys. Andere feilen da bereits im Schlaf hörbar an ihrer Langlauftechnik.

Am Samstag der Höhepunkt. Bei bayrischem Strahlewetter geht es hinauf zur Hemmersuppenalm, unter uns auch Hühnersuppenalm genannt. Mit Mantra 4x4 -Spezialbussen geht es den steilen Weg hinauf zur Alm. Dort empfängt uns auf 1200m eine verzauberte Höhenlandschaft. Bei blauem Himmel und in der Sonne glitzerndem Tiefschnee breitet sich das Panorama der umliegenden Berggipfel vor uns aus. Tief unten in der Ferne schimmert blau der Chiemsee. Welch eine Lust, hier auf einer bestens präparierten Loipe über die Alm zu fahren. Die Sonne und das hügelige Gelände sorgen dafür, dass wir gut ins Schwitzen kommen.
Nach einer zünftigen Mittagsjause in der Hindenburghütte wechseln wir am Nachmittag das Sportgerät, steigen in die Schneeschuhe und pflügen durch den funkelnden Tiefschnee. Lang zieht sich unsere Karawane über Berg und Tal und lässt eine deutliche Spur in der tiefverschneiten Landschaft zurück.
An der Anna Kapelle muss wohl einer ein Stoßgebet gen Himmel gesandt haben, denn kurz darauf zaubert Martin eine Flasche Sliwowitz aus seinem Rucksack hervor. Alle nehmen ein guten Schluck und gehen gestärkt die nächsten Kilometer an. Eine kräftezehrende Angelegenheit ist das Stapfen durch den tiefen Schnee allemal und schließlich sind alle rechtschaffen ermattet, als wir wieder an der Hindenburghütte zurück sind. Von hier kann man noch ins Tal runter rodeln, die meisten nehmen jedoch den Hüttentransporter. Ein Supertag geht zu Ende.

Am Sonntag ist vormittags noch Zeit für freies Fahren auf der Drei-Seen-Loipe. Warm bläst der Föhn das Tal herunter und wir geraten gehörig ins Schwitzen.  Einkehr in der urigen Mitterseehütte  mit wohlverdienten belebenden Getränken. Dann hurtig zurück ins Hotel, duschen, umziehen, auschecken, Leihski abgeben und ab zum traditionellen Schlußakt bei der „Windbeutelgräfin“.
Im Kaffee-Kannen-Stüberl  geben wir uns nochmal bayrischem Bier und Braten hin. Danach: Same procedure as every year. Zum Dessert geht es dem Windbeutel „Lohengrin“ an den Kragen. Während andere es zu dritt kaum schaffen, vertilgt Michael den Riesenvogel alleine, mitsamt einem gefühlten Pfund Sauerkirschen und reichlich Schlagsahne. Mein lieber Schwan...
Schließlich sind alle rundum abgefüllt und machen sich zufrieden und glücklich auf den Heimweg nach Frankfurt. Schön, war's wieder in Ruhpolding.

Text: Hans-Jürgen Proske
Fotos: Holger Seifert, Michaela Teichmann

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Donnerstag, 19. Oktober 2017 Anmelden

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