Rückkehr nach Ruhpolding

Schlimme Vorahnungen bestätigen sich, als nach einem köstlichen Abendessen der Micha von der Skischule uns in bestem Bairisch eröffnet, dass man 'hierunten' in Ruhpolding mangels Loipen nicht wird fahren können. Selbst im Drei Seen-Gebiet und an der Sachenbacher Alm, wo wir im vergangenen Jahr unsere Kreise zogen, ist diesmal nix zu machen.


Also am nächsten Morgen rauf nach Reit im Winkl. Dort gibt es im Ortsteil Blindau am Benzeck gespurte Loipen, dem Kunstschnee und dem Eifer der Reit im Winkler sei Dank. Skikurs: Der Peter von der Skischule erklärt nochmal das A und O des Skilanglaufs: Balance, Koordination, Kraft und Ausdauer. Haben wir doch alles reichlich, oder? Denkste, die ersten liegen bereits im Schnee, war wohl doch nichts mit der Balance. Nun fahren wir ohne Stöcke. Das ist ebenso ungewohnt wie ungemein förderlich für das Gleichgewichtsgefühl. Geht doch! Jetzt noch das Bremsen und den richtigen Abstoß üben und los geht die wilde Jagd. Do spuid de Musi, denn jetzt ist freies Fahren angesagt. Da kann jeder nach Gusto und Geschick Gas geben bis die Schwarte kracht.


Zwischendurch Jause im Benzeck-Stüberl. Heidelbeerschmarrn, hmmm, himmlisch! Aber hinterher hat man eine blaue Zunge und blaue Zähne und sieht aus wie der Loipen-Dracula vom Chiemgau.


Nach dem Abendessen im Ortnerhof geht’s aufi zur romantischen Fackelwanderung entlang der Weißen Traun. Die Fackeln immer schön senkrecht halten, damit man nicht den Schweif des Vordermannes anzündet. Alle können das, bis auf Martin. Eine größere Feuersbrunst kann trotzdem vermieden werden. Vom Himmel fallen nun seltsame weiße Kristallkörper. Kaum zu glauben, es schneit! Im Garten des Ortnerhofs wird am Lagerfeuer noch Stockbrot gebacken und Glühwein getrunken. Leise rieselt der Schnee in der Dunkelheit.


Samstags wieder rauf nach Reit im Winkl und von dort in Mantrabussen mit Allradantrieb und Schneeketten steil rauf zur Hindenburghütte. Heute ist Schneeschuhwandern auf der Hemmersuppenalm – unter uns auch Hühnersuppenalm – angesagt. Nun schneit es aber gewaltig. Nix wie rein in die Schneeschuhe und los. In zwei Gruppen pflügen wir durch den Tiefschnee, denn hier oben auf 1200m ist der Regen der vergangenen Tage bereits als Schnee runtergekommen. Bald sind wir allein unterwegs, nur ein paar Langläufer gleiten auf der benachbarten Höhenloipe an uns vorbei. Über Stock und über Stein ziehen wir unsere Bahn durch den tiefen Schnee. Der Wald steht still und schweiget, Schnee fällt, Gespräche weichen meditativer Stille, zu hören nur noch der Atem der anderen Waldläufer und das Knirschen der Schuhe im Schnee. Nach zwei Touren durch den Tiefschnee mit zwischenzeitlicher Jausenpause in der Hindenburghütte sind wir rechtschaffen erledigt. Einige rodeln den Weg nach Reit im Winkl hinunter, der Rest macht es sich in den Mantras bequem für die Abfahrt. Abends an der Bar im Ortnerhof gepflegte Gespräche. Aus den schottischen Highlands grüßt mit seinem göttlichen Abgang der Dalwhinnie.


Mein Gott, schon wieder letzte Tag des Langlaufwochenendes! Da es weiterhin wacker geschneit hat, können wir am Sonntagvormittag sogar 'hierunten' in Ruhpolding fahren. Rund um die Chiemgau-Arena ziehen wir unsere Bahnen und holen nochmal die letzten Körner raus. Dann heißt es umziehen und packen.


Natürlich verlassen wir Ruhpolding auch diesmal nicht ohne einen zünftigen Besuch bei der „Windbeutelgräfin“. Hier wird nochmal mit Heißhunger gespachtelt und beim Dessert geht es natürlich auch wieder dem Windbeutel „Lohengrin“ an den Kragen, der auf etlichen Tellern sein kurzes Schwanenleben aushaucht.


Dann in die Busse und auf nach Frankfurt. Bald fordert die Kombination von bayrischem Braten und Bier ihren Tribut und alles nickt weg. Auch ein hauchzarter Duft von Käsemauken verfehlt nicht seine narkotisierende Wirkung. Doch unsere Fahrer Simone und Michael bringen uns sicher heim nach Frankfurt.


Schön war's mal wieder mit der Betriebssportgemeinschaft im hr!

Text: Hans-Jürgen Proske
Bilder: Holger Seifert, Michael Ortwein

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Samstag, 16. Dezember 2017 Anmelden

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