Da kommt Plan B ins Spiel. Im Leutaschtal, unmittelbar hinter der österreichischen Grenze, nicht weit vom benachbarten Mittenwald, liegt immer noch was von der weißen Pracht herum. Das reicht noch für zwei Tage Skilanglauf, bevor auch dort der Klimawandel die Loipen weg brennt. 

Also, nix wie hin ins Leutaschtal. Die Sonne strahlt, als gäbe es kein Morgen. Wir stürzen uns in die Loipen, die sich endlos flach durch das langgestreckte Tal ziehen. Für die Fitteren bieten sich die bergigeren Loipen Richtung Seefeld oder Plaik an. Für alle ist etwas da, und jeder fährt nach eigenem Gusto. Zwischendurch trifft man sich auf der sonnigen Terrasse des „Rauchkuchl“, um die enormen Flüssigkeitsverluste durch belebende Getränke wieder rein zu holen. Was problemlos gelingt. Die Sonne lacht heiter vom blauen Himmel. So sehr, dass sie einem nicht geringen Mitglied unserer Gruppe einen Sonnenbrand ins Gesicht schmort. Mit weißem Streifen quer über der Stirn, da, wo das Schweißband saß. Sehr apart!  Am Nachmittag zeigen sich dann auch weniger erheiternde Auswirkungen des Strahlewetters. Langsam aber sicher brät die Sonne den Schnee weg. Es komme die Nacht! 

Tag 2. Morgens um neun wieder ab ins Leutaschtal. Wieder Sonnenschein und noch wärmer als gestern. Jetzt fängt der frühe Vogel den Wurm, oder der frühe Langläufer den Schnee, bevor er schmilzt. Unsere Gruppe dampft angetrieben vom gestrengen Leitstier eine schwarz-rote Loipe Richtung Seefeld hinauf. Die Luft wird knapp, die Knie weich. Doch wer will schon aufgeben, wenn die anderen sich unverdrossen weiter den Berg hinan wuchten? Dort oben wird es dann gottlob etwas flacher. Außerdem locken die sonnige Muggenmoosalm und die rustikale Ropferstub'm mit wohlverdienten Erfrischungen. Letztere mit einem grandiosen Blick über das Inntal.

Hier am Südhang über dem Tal ist die Loipe schon auf hunderte von Metern geschmolzen. Doch es geht weiter, immer weiter, nichts soll uns aufhalten. Nochmal knackige Anstiege, rasante Abfahrten, spektakuläre Stürze mit mehr oder weniger guten Haltungsnoten. Dann sind wir wieder unten im Leutaschtal. Doch,o Graus, was hat die Sonne mit den Loipen gemacht? Hier steht das Tauwasser schon bis zur Oberkante der Spuren. Morgen fährt hier keiner mehr, aber da wir müssen ja ohnehin wieder heim. 

Nach dem Dinner im Hotel in Anbetracht des letzten Abends auf zur sportlichen Betätigung an der Bar. Als Renner erweist sich der Cocktail „Gin Chilla“, der mit der Gurke. Laut Werbung so erfrischend wie ein Sprung in den Schliersee. Der absolute Topper ist freilich ein weit edleres Gesöff, ein geradezu göttlicher altbrauner Grappa Reserva. Danach ist über allen Wipfeln Ruh. 

Nun müssen wir Abschied nehmen. Noch ein Besuch des Geigenbaumuseums in Mittenwald, so viel Kultur muss sein, und ein Abschiedsessen in der urigen Gröblalm mit Blick auf Mittenwald und das Karwendelgebirge. Dann schaukeln uns unsere zuverlässigen Fahrer Holger und Michael in unseren hr-Bussen zurück nach Frankfurt. Der Muskelkater zwickt bereits wohlig in Schenkeln und Oberarmen.

Danke, liebliches Leutaschtal, Du warst unsere Rettung! 

 

Hans-Jürgen Proske

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Samstag, 16. Dezember 2017 Anmelden

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