„Ihr Gepäck ist leider nicht mitgekommen“, sagte einigen von uns die freundliche Dame am Flughafen in Sisimiut. So begann eine ereignisreiche Woche bei den 41. Eurovisionsport-Winterspielen in Grönland.

Turnusgemäß war das Teilnehmerland Dänemark Ausrichter dieser Winterspiele. Da es in Dänemark keine Skigebiete gibt, wurde nach Sisimiut an der Westküste Grönlands, etwa 100 km nördlich des Polarkreises eingeladen. Dieser Ort mit etwa 5000 Einwohnern, die zweitgrößte Stadt auf der weltweit größten Insel, war unser Basislager für sportliche Wettkämpfe in nordischem und alpinem Skilauf. Hier prägen neben bunten Holzhäusern viele angekettete Schlittenhunde das Ortsbild. Diese sehen nicht nur wie Wölfe aus, sondern stammen auch von diesen ab. Kaum dass einer zu heulen anfängt, jault die gesamte Meute, und das am liebsten im Morgengrauen.

Dank privater Initiative des örtlichen Ski-Clubs gab es wenigstens einen Schlepplift am „Solbakken“, leider fast 5 Kilometer außerhalb in den Bergen. Wir bewältigten die Strecke dorthin gezogen auf Hängern an Pistenwalzen oder an Motorschlitten. Gab es jemals etwas Vergleichbares? Richtig abenteuerlich gestaltete sich aber unsere Fahrt nach „Igloo Mountain“, wo eine Übernachtung in Zelten auf einem zugefrorenen See angesagt war. Hat etwa jemand Angst, in selbstgezimmerten Holzanhängern mittels Motorschlitten bei über 100 km/h über zugefrorene Seen und Fjorde gezogen zu werden? Wegen des abendlich einsetzenden Dauerregens fiel die darauffolgende Nacht buchstäblich ins Wasser. Durch die hohen Temperaturen war auch die Absage des Super-G auf einem nahe-gelegenen Gletscher unumgänglich. Das Ende der Gletschertour entschädigte uns mit großartigen Eindrücken der arktischen Landschaft, denn einige liefen bei aufkommendem Sonnenschein mit ihren Langlaufskiern die 40 km zurück nach Sisimiut.

Bei allen Rennen gaben wir unser Bestes und landeten auf guten Mittelplätzen. Niemand hatte Sehnsucht nach dem einzigen Krankenhaus in der Gegend, das immerhin mehrere Betten haben soll.

Nach 8 Tagen heißt es Abschied nehmen von Grönland, mit einem Abstecher zum gewaltigen Inlandeis. Trotz der Strapazen und hohen Kosten hat es uns gefallen. Ob wir nochmal wiederkommen in diese Welt aus Eis, die jeden in ihren Bann zieht, der sie einmal erlebt hat?

Am Gepäckband in Frankfurt verursachten unsere Koffer und Skisäcke nur ein müdes Schulterzucken. Geht doch!

Text: Holger Seifert
Fotos: bsg, arcticcircle.de

Zurück

Samstag, 15. Dezember 2018 Anmelden

Aktuelles

Es gibt keine Events in diesem Jahr.