Rastlos in Ruhpolding

Kaum Schnee, so weit das Auge reicht. Der Yeti in uns bekommt bereits Entzugserscheinungen. Abends an der Bar vom Ortnerhof trinken wir uns mit Mojito das Wetter schön.

Und es hilft. Am nächsten Tag zeigt sich Ruhpolding unter strahlend blauem Himmel. Es gibt sogar Schnee und befahrbare Loipen! Oberhalb der Chiemgau Arena, Richtung Reit im Winkl, liegt noch reichlich von der flüchtigen weißen Masse herum.

An der Sachenbacher Alm am Weitsee geht’s dann gleich zur Sache. Skikurs: Der Meister aus Ruhpolding fährt auf einem Bein vor uns den Hang runter, das andere im rechten Winkel von sich gestreckt, wie ein Hund, der mal aus der Hose muss. Da hätten die meisten von uns schon Schwierigkeiten auf zwei Beinen runter zu fahren. Der Meister will uns zeigen: Balance ist das A und O beim Skilanglauf. Ohne die richtige Balance, die richtige Lage des Schwerpunkts und den richtigen Stockeinsatz, gibt es keinen optimalen Vortrieb. Ach so!? Und die Stöcke nicht mehr als bierkastenbreit auseinander halten, sonst verlieren wir 20 % an Schub! Ja mei, hab' mich doch schon immer gewundert, wo die 20% Prozent bei mir bleiben. Weiter wird trainiert, bis zum Umfallen. Manche fallen sogar mehrmals um. Auch der Schweiß fällt zischend in den Schnee, denn es ist höllisch warm und der Untergrund tückisch, im Schatten vereist, in der Sonne sulzig. Wir geben alles, denn wir sind so froh, in diesem nicht stattfindenden Winter überhaupt Schnee unter den Brettern zu haben.

Abends wärmt eine Fackelwanderung vom Hotel zum Taubensee den Romantikern das Herz, bei anderen ist es eher der anschließend verabreichte Glühwein.

Am nächsten Morgen gleich wieder in aller Früh auf die Loipe. Heute ist freies Fahren rund um den Mittersee angesagt. Der Himmel blau und weiß der Schnee. So muss Bayern sein!

Nachmittags ohne Pause gleich weiter zum Schneeschuhwandern. Was unsere Witzbolde von Bergführern als „betreutes Wandern“ bezeichnen, entpuppt sich sich als ein richtig heftiger Anstieg. Die keuchend kraxelnde Gruppe zieht sich am Steilhang weit auseinander. Die Unteren immer in der Angst, von der Lawine Hubert getroffen zu werden, der in der schneebedeckten Steillage den einen oder anderen Abgang macht. Weiter geht’s durch den Wald. Schließlich am hohen Horizont unterm Hochfelln unser Ziel, die Bründling Alm. Mit letzter Kraft wuchtet sich die Truppe eine steile Alpinabfahrt zur Hütte hoch. Jetzt müssen enorme Flüssigkeitsverluste kompensiert werden, denn bei fast zweistelligen Temperaturen sind wir so was von heiß gelaufen! Die Saunaatmosphäre auf der Alm tut ein Übriges. Getränke fließen in Strömen, wir kommen wieder zu Kräften. Jetzt kommen auch geistige Getränke zum Einsatz. Die Damen trinken Zirbel, die Herren Haselnuss. Heissa, nun geht’s bergab bis die Schneeschuhe qualmen. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unsere Busse. Was für ein Tag! Abends nach dem Abendessen ist die Hotelbar merkwürdig verwaist. Alles liegt groggy in den Betten. Mancher muss auch noch mit Pferdesalbe eingerieben werden.

Am letzten Tag verlässt uns das Wetterglück. Bei Regen und tiefhängenden Wolken zieht es nur noch wenige auf die Loipe. Die meisten verwöhnen sich im Wellness-Bereich des Hotels. Dann heißt es schon wieder Abschied nehmen. Vor der Rückfahrt wartet aber noch ein weiteres kulinarisches Highlight. Bei der „Windbeutelgräfin“ zieht man sich den Windbeutel „Lohengrin“ rein. Mein lieber Schwan, was für eine Portion!! Danach sinkt alles selig in die Sitze unserer Busse und lässt sich nach Frankfurt zurück fahren. Was für ein schönes Ski-Langlaufwochenende mit der BSG wir doch wieder mal hatten!

Text: Hans-Jürgen Proske
Bilder: Holger Seifert, Michael Ortwein

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Samstag, 15. Dezember 2018 Anmelden

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